Mehrere ehemalige Mitarbeiter haben enthüllt, dass der Rotorblatt-Hersteller LM Wind Power unter dem Dach von GE Vernova stillschweigend alle seine Betriebsstätten in den Niederlanden eingestellt hat – darunter das zentrale Testzentrum nördlich von Amsterdam.
Die Nachricht wurde durch die LinkedIn-Beiträge dreier ehemaliger Mitarbeiter bestätigt, die alle angaben, aufgrund der Betriebsschließung das Unternehmen verlassen zu haben. Dieser Schritt markiert, dass das legendäre Unternehmen, das einst die globalen Standards für Windkraftrotorblätter prägte, von einer weltweiten Expansion in eine tiefe strategische Defensive übergeht.

LM Wind Power verfügt über mehr als 40 Jahre Erfahrung in der Forschung und Herstellung von Rotorblättern für Windkraftanlagen. Insgesamt produzierte das Unternehmen über 275.000 Rotorblätter; fast ein Fünftel aller Windkraftanlagen weltweit sind mit seinen Blättern ausgestattet. Es hielt einst den weltweit höchsten Marktanteil im Rotorblatt-Segment. In seiner Blütezeit beschäftigte das Unternehmen Zehntausende Mitarbeiter, seine Geschäftsaktivitäten erstreckten sich über zahlreiche Länder und Regionen weltweit – mit tiefgreifender technischer Expertise und weitreichendem Markteinfluss im Bereich der Rotorblätter.
Obwohl die niederländische Niederlassung von LM Wind Power keine Produktionsstätte besaß, stellte sie das zentrale globale Drehkreuz für Forschung und technische Entwicklung dar. Bemerkenswert ist: Von 2014 bis 2017 war Amsterdam sogar der globale Hauptsitz von LM Wind Power und zeugte von den glanzvollen Höhenpunkten, auf denen das dänische Unternehmen seine Spitze erreichte.
Heute jedoch ist das Testzentrum in Amsterdam verlassen und leer. Wie lokale Medien bereits früher berichteten, liegt die Anlage seit Monaten still. Ein erfahrener ehemaliger Mitarbeiter, der hier jahrelang tätig war, verabschiedete sich resigniert auf LinkedIn: „Als letzter Mitarbeiter habe ich mein unvergessliches Berufsleben hier beendet.“
Diese Schließung steht nicht allein, sondern ist die zwangsläufige Folge der schweren finanziellen Schwierigkeiten, in denen LM Wind Power seit Jahren steckt. Seit der Übernahme durch GE im Jahr 2017 hat das Unternehmen in neun Jahren unter der Konzernherrschaft kumulierte Verluste in Höhe von mehreren Milliarden US-Dollar verbucht. Der Jahresabschluss 2025 zeigt einen Nettoverlust von über 2,6 Milliarden dänischen Kronen – ein „Verlustloch“, das die Muttergesellschaft belastet.
Um zu überleben, hat LM Wind Power schmerzhafte Maßnahmen zur Überlebenssicherung eingeleitet:
Schlankhaltung des dänischen Hauptsitzes: Im November 2025 wurden zwei Drittel des dänischen Personals entlassen; nur ein Kernteam von 20 bis 30 Mitarbeitern blieb erhalten – ein krasser Gegensatz zur einstigen Größe mit Tausenden Angestellten.
Weltweite Veräußerung von Vermögenswerten: Im Februar 2025 wurde das brasilianische Werk aufgrund sinkender Nachfrage in Lateinamerika geschlossen, was tausende Arbeitsplätze kostete. Im Mai desselben Jahres wurde das polnische Werk an den Konkurrenten Vestas verkauft.
Unruhe in der Führungsebene: Hanif Mashal, der Chief Executive Officer, trat nach nur eineinhalb Jahren Dienstzeit zurück; die Nachfolge trat Nikolaj Toft an – eine Entwicklung, die die Instabilität der Unternehmensleitung weiter verstärkte.
Bisher hat GE Vernova keine Stellung zu diesen Vorgängen genommen. In Lunderskov, Dänemark, betreibt das einzige verbliebene Testzentrum von LM Wind Power noch seinen Betrieb. Doch das einstige Rotorblatt-Imperium, das weltweit expandierte, ist zweifellos für immer verschwunden.
