Siemens-Gamesa schließt eine Fusion mit Vestas, Nordex und Enercon nicht aus
2026.08.06

Siemens Energy hat den Geschäftsbericht für das dritte Quartal des Geschäftsjahrs 2026 (Berichtszeitraum: 1. Oktober 2025 bis 30. September 2026) veröffentlicht. Sein Windenergie‑Geschäftsbereich Siemens‑Gamesa legte ein gemischtes Ergebnis vor: Nach jahrelangen Verlusten wurde erstmals wieder ein Quartalsgewinn erzielt, während die neu abgeschlossenen Aufträge jedoch einen schweren Einbruch erlitten und sich im Vergleich zum Vorjahr um 79 % verringerten.

Gegenspiel der Entwicklungen: Gewinnwende und Auftragsrückgang

Die Zahlen des Geschäftsberichts spiegeln die schwierige aktuelle Lage von SiemensGamesa wider. Dank der Auslieferungen von OffshoreWindanlagen stieg der Umsatz des Geschäftsbereichs entgegen dem Trend um 13,5 % auf 2,74 Milliarden Euro. Es wurde ein Gewinn von 75 Millionen Euro vor Sonderposten erwirtschaftet, womit die Wende von Verlust zu Gewinn gelang.

Die Neuaufträge hingegen entwickelten sich ungünstig. In diesem Quartal beliefen sich die neuen Aufträge lediglich auf 1,05 Milliarden Euro, ein starker Rückgang gegenüber den 4,89 Milliarden Euro des Vorjahresquartals. Das Unternehmen begründete den drastischen Auftragsrückgang damit, dass in diesem Zeitraum keine großen OffshoreWindprojekte gewonnen wurden. Es handelt sich hierbei um eine vorübergehende Schwankung und keinen Rückgang der gesamten Marktnachfrage.

Branchenkampf: Aufruf zur Zusammenarbeit europäischer Konzerne im Wettbewerb mit chinesischen Unternehmen

Auf den Auslandsmärkten stehen die europäischen Hersteller von Windenergieanlagen unter großem Kostendruck durch ihre chinesischen Wettbewerber. Um sich gegen chinesische Firmen zu behaupten, wird in der europäischen Windenergiebranche zunehmend eine Zusammenarbeit der großen Konzerne gefordert. Zuvor hatten Nordex und sein Großaktionär Acciona bereits eine industrielle Konsolidierung angeregt, um einen europäischen Industrieführer nach dem Vorbild von Airbus zu schaffen.

Während der Investoren‑Telefonkonferenz nach der Veröffentlichung des Quartalsberichts lieferte Christian Bruch, Vorstandsvorsitzender von Siemens Energy, neue Impulse für die geplante Branchenkonsolidierung.

Als ihn Journalisten fragten, ob eine Fusion mit den führenden europäischen Windanlagenherstellern wie Vestas, Nordex und Enercon erwogen werde, um dem Wettbewerbsdruck chinesischer Unternehmen standzuhalten, gab Bruch eine bedeutsame Antwort.

Er schloss eine Zusammenlegung nicht aus und benannte unverblümt die harte Realität: „Zahlreiche chinesische Wettbewerber dringen auf den Markt. Allein bei den Kosten für Windanlagen fällt es uns schwer, in Angeboten die Konkurrenten zu übertreffen. Das ist eine Tatsache, mit der wir uns auseinandersetzen müssen.“

Zwar signalisierte er die grundsätzliche Bereitschaft zur Zusammenarbeit, doch analysierte Bruch auch die praktischen Hindernisse einer Fusion.

Zuerst bestehen rechtliche Barrieren. Die strengen europäischen Kartellvorschriften sorgen dafür, dass jede Fusion führender Unternehmen eine hohe Prüfhürde überwinden muss und eine Genehmigung äußerst schwierig zu erlangen ist.

Zudem gibt es politische Herausforderungen. Bruch betonte, dass eine industrielle Konsolidierung nicht nur eine geschäftliche, sondern auch eine politische Angelegenheit darstellt. Solange die politischen Entscheidungsträger der Europäischen Union die Förderrichtlinien für die Windenergiebranche und eine klare Position für die heimische Industrie nicht festgelegt haben, lassen sich eigenständige Fusionsvorhaben der Unternehmen kaum umsetzen. Die große Konsolidierung der europäischen WindenergieBranche wartet demnach noch auf das politische Goahead.

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