Aufgrund von Kündigungsbestrebungen großer internationaler Energiekonzerne droht den beiden europäischen Herstellern von Windturbinen Vestas und Siemens Gamesa der Verlust von Aufträgen in Milliardenhöhe.
Die aktuelle Auftragskrise geht darauf zurück, dass TotalEnergies und BP versuchen, ihre Verträge zur Entwicklung deutscher Offshore-Windprojekte aufzulösen. Von dieser Auseinandersetzung sind insgesamt zehn Projekte mit einer installierten Gesamtleistung von bis zu 16 GW betroffen.
Sollten alle geplanten Vorhaben endgültig auf Eis gelegt werden, verlieren beide Turbinenhersteller zwischen 2028 und 2032 potenzielle Aufträge im Gesamtwert von 23 Milliarden Euro. Darin enthalten sind mehr als eintausend Großturbinen mit 15 MW Leistung sowie zugehörige Ausrüstung.
Branchenanalytiker weisen darauf hin, dass diese Offshore-Windprojekte mittlerweile allgemein keine wirtschaftliche Rentabilität mehr aufweisen.
Einerseits steigen die Kosten für Anlagenbau, Bauarbeiten und Finanzierung kontinuierlich und liegen deutlich über den Erwartungen bei der Angebotsabgabe. Andererseits lassen sich am Markt keine hohen Strompreise über langfristige Stromabnahmeverträge sichern, wodurch der Gewinnspielraum der Projekte stark eingeengt wird.
Derzeit liegt die nominale interne Rendite nach Steuern dieser Projekte unter fünf Prozent – deutlich unter dem üblichen branchenüblichen Investitionsrenditestandard. Dies erschwert den Unternehmen eine endgültige Investitionsentscheidung. Zusätzlich belasten hohe Pachtgebühren für die Seegebiete bei einigen Projekten die wirtschaftliche Lage der Entwickler weiter.
Einige Analysten sehen jedoch zweierlei Auswirkungen durch das Aussetzen der Projekte.
Obwohl das vorläufige Einstellen zahlreicher Projekte kurzfristig massive Auftragsverluste nach sich zieht, mildert es den ab 2029 drohenden Engpass bei der Produktionskapazität für Offshore-Turbinen.
Dennoch überwiegen die Nachteile: Die Jahre um 2029 stellen ein zentrales Fenster dar, in dem Vestas und Siemens Gamesa ihre Preisverhandlungsmacht hätten festigen können. Das Aufschieben der Aufträge schwächt die Marktverhandlungsposition beider Branchengrößen in gewissem Maße.
