Zu den zuvor branchenweit beachteten Gerüchten über eine geheime Planung namens „Projekt Drache“ zur Beschaffung chinesischer Offshore-Windkraftanlagen hat der weltweit größte Offshore-Windentwickler Ørsted nun eine klare offizielle Stellungnahme abgegeben. Konzernchef Rasmus Errboe erklärte auf der Pressekonferenz zum Quartalsbericht unmissverständlich, dass Ørsted kurzfristig keine chinesischen Windkraftanlagen beschaffen werde, um den Marktbedenken Rechnung zu tragen.

Ørsted CEO Rasmus Errboe
Zuvor hatte die dänische Zeitung Berlingske berichtet, dass Ørsted intern ein Vorhaben mit dem Decknamen „Project Dragon“ (Projekt Drache) vorantreibt und zwischen 2026 und 2028 chinesische Offshore-Windanlagen beschaffen möchte.
Am 6. Mai stellte Rasmus Errboe die Position öffentlich klar: „Derzeit betreibt Ørsted keine laufenden Projekte mit chinesischen Windanlagen, auch bei geplanten Reserveprojekten gibt es derzeit keine entsprechenden Beschaffungsplanungen.“ Diese Aussage unterscheidet sich deutlich von der eher offenen Haltung Anfang des Jahres, wonach man keine Lieferanten grundsätzlich ausschließe.

Gleichzeitig bewahrte Rasmus Errboe eine pragmatische Geschäftshaltung. Er betonte, dass die Offshore-Windenergie eine globalisierte Branche sei und Kostensenkungen in der Lieferkette auf einem funktionsfähigen Wettbewerb beruhen. Er bestritt nicht die Vorteile chinesischer Windanlagen in Bezug auf Technik, Kosten und allgemeine Wettbewerbsfähigkeit. Diese Einschätzung entspricht der früheren Linie des ehemaligen Ørsted-CEO Mads Nipper: Man schließt eine langfristige Zusammenarbeit nicht völlig aus und behält sich strategische Anpassungen vor.
Die Äußerung von Ørsted spiegelt zugleich die gespaltene Haltung der europäischen Windbranche gegenüber chinesischen Anlagen wider. Einerseits stehen Energieunternehmen wie RWE und Vattenfall weiterhin im Austausch mit chinesischen Windanlagenherstellern. Michael Hannibal, dänischer Vorsitzender des Global Wind Energy Council, weist darauf hin, dass ein Ausschluss chinesischer Lieferketten den Ausbau der Windenergie in Europa verlangsamen würde. Andererseits lehnen Institutionen wie der dänische Verband für grünen Strom eine Marktöffnung ab – europäische Projektentwickler agieren daher bei ihren Entscheidungen deutlich vorsichtiger.
