Nordex befürwortet Fusion mit Vestas und Siemens Gamesa
2026.05.06

Vor dem Hintergrund des starken globalen Aufstiegs chinesischer Hersteller von Windkraftanlagen bahnt sich in der europäischen Windenergiebranche eine branchenweite Großkonsolidierung nach dem Vorbild von Airbus an. Geschäftsführung und Großaktionär des deutschen Windanlagenherstellers Nordex haben öffentlich ihre Unterstützung für eine Fusion mit europäischen Wettbewerbern wie Vestas, Siemens Gamesa und Enercon bekundet. Ihrer Argumentation zufolge können europäische Anbieter nur durch eine brancheninterne Zusammenlegung den Größenvorteil chinesischer Hersteller ausgleichen und ihre Position sowohl im Heimatmarkt als auch weltweit sichern.

Das globale Ranking der 15 größten Hersteller von Windkraftanlagen 2025 von Wood Mackenzie zeigt, dass chinesische Unternehmen die ersten sechs Plätze belegen – Branchengrößen wie Goldwind und Envision gehören fest zur globalen Spitzenklasse. Demgegenüber rangieren die vier großen europäischen Anlagenhersteller deutlich tiefer: Vestas auf Platz 7, Nordex auf Platz 10, Siemens Gamesa auf Platz 12 und Enercon auf Platz 14. Die Marktanteilslücke zu den führenden chinesischen Anbietern weitet sich stetig aus. Bei eigenständigem Weiterbetrieb geraten die europäischen Hersteller zunehmend unter Wettbewerbsdruck.

Auf der Hauptversammlung von Nordex am 5. Mai 2026 erklärte CEO José Luis Blanco unverblümt: Die europäische Windbranche muss sich konsolidieren, sonst droht der Verlust der Marktführerschaft. Er betonte, dass Größe der Schlüssel zum Wettbewerb mit chinesischen Konkurrenten sei. Als Vorbild nannte er den Luftfahrtkonzern Airbus und forderte die europäischen Windunternehmen auf, Kapazitäten zu bündeln, Kosten zu senken und die globale Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen. Als zweitgrößter europäischer Hersteller von Windkraftanlagen sendet Nordex mit dieser Haltung ein klares Signal für eine Branchenkonsolidierung. Blanco schloss mögliche Fusionen und Übernahmen mit Wettbewerbern nicht aus, betonte aber zugleich, dass entsprechende Überlegungen derzeit noch hypothetisch seien und konkrete Fortschritte bislang fehlten.

Nordexs Vorstoß zur Branchenzusammenlegung erhält Unterstützung seines Schlüsselaktionärs. José Manuel Entrecanales, Vorsitzender des spanischen Energiekonzerns Acciona – der 47 % der Anteile an Nordex hält – erklärte, Acciona werde einer Fusion mit Branchenkollegen zustimmen, sofern eine angemessene Bewertung, vertragliche Konformität und behördliche Genehmigungen vorliegen. Er wies zudem darauf hin, dass für die Schaffung eines windenergie-Branchenchampions in Größe von Airbus eine tiefgreifende Konsolidierung von mindestens fünf europäischen Unternehmen erforderlich sei.

Trotz wachsender Dynamik für eine Branchenzusammenlegung bestehen nach wie vor große Hürden für die Entstehung eines europäischen Windenergie-Superkonzerns. Branchenanalysten weisen darauf hin, dass die strengen europäischen Kartellvorschriften die größte Unsicherheit darstellen. Großfusionen würden unweigerlich strenge kartellrechtliche Prüfungen auslösen, sodass die endgültige Genehmigung keineswegs gesichert ist.

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