Der weltweite Windenergieführer Vestas hat kürzlich unmissverständlich klargestellt: Kurzfristig wird das Unternehmen keine Windkraftanlagen in Indien vertreiben – der zentrale Grund liegt allein darin, dass sich ein Verkauf vor Ort schlichtweg nicht rentiert.

Vestas-CEO Henrik Andersen äußerte sich in einem Interview unverblümt zur Unternehmensstrategie: „Wir konzentrieren uns nur auf Märkte, die rentabel sind. Es macht keinen Sinn, zwingend in Märkte einzutreten, die keine Gewinne ermöglichen. Wenn die Produktpreisgestaltung nicht einmal eine angemessene Rendite erwirtschaftet, gibt es keine Notwendigkeit, entsprechende Technologien auf den Markt zu bringen.“
Vielen ist kaum bekannt, dass Vestas eigentlich eine lange Präsenz in Indien aufgebaut hat. Im Jahr 2016 errichtete Vestas mit hohen Investitionen einen zentralen Produktionsstandort in Indien mit 3.500 Mitarbeitern. Ursprünglich sollte damit ein regionaler Knotenpunkt geschaffen werden, bei dem die indische Produktionskapazität den heimischen Markt versorgt und zugleich die globale Lieferkette bedient. Die Realität sieht jedoch anders aus: Keine einzige der in indischen Werken gefertigten Windkraftanlagen wurde innerhalb Indiens verkauft – sämtliche Anlagen gingen ins Ausland. Henrik Andersen äußerte sich resigniert: „Das entspricht eindeutig nicht unseren ursprünglichen Erwartungen.“
Andersen gab offen zu, dass die Preisgestaltung auf dem indischen Windenergiemarkt in einen irrationalen Bereich geraten ist. Einige Gebotspreise liegen sogar unter den direkten Herstellungskosten der Rohstoffe, sodass für Unternehmen keinerlei Gewinnmöglichkeiten bestehen. Hinzu kommt das besondere Modell indischer Windenergie-Ausschreibungen, bei dem zunächst Flächen zugeteilt und anschließend Projekte realisiert werden. Vestas kann sich bislang nicht an die lokalen Rentabilitätsbedingungen anpassen.

Henrik Andersen
Obwohl die indische Seite eine Rückkehr von Vestas wünscht und beide Seiten weiterhin im Austausch stehen, wird Vestas den Verkauf nicht wieder aufnehmen, solange das Rentabilitätsproblem ungelöst bleibt.
Zahlen belegen zudem die schwierige Lage europäischer und US-amerikanischer Anlagenhersteller in Indien: Im Jahr 2025 erreichten die unterzeichneten Windenergie-Verträge in Indien mit 8,5 GW einen historischen Höchstwert – dennoch ging keine einzige Bestellung an westliche Hersteller aus Europa oder den USA.
Vestas betonte zugleich, dass dies kein endgültiger Rückzug aus dem indischen Markt sei. Solange jedoch keine tragfähige Rentabilitätsstrategie vorliegt, wird das Unternehmen keine Verlustgeschäfte eingehen.
