Nordex erhält Bürgschaftskredit über 2,475 Milliarden Euro – ausreichend Mittel für den harten Wettbewerb um Windenergieaufträge
2026.07.28

Der deutsche Windturbinenhersteller Nordex gab am 27. Juli bekannt, einen Konsortial-Bürgschaftskredit in Höhe von bis zu 2,475 Milliarden Euro (rund 2,83 Milliarden US-Dollar) erhalten zu haben. Die Mittel dienen ausschließlich der Bereitstellung von Bürgschaften für Kundenprojekte und sonstigen vertraglichen Verpflichtungen und gewähren dem Unternehmen hochflexible Finanzierungsunterstützung für den Zeitraum 2026 bis 2031.

Der mehrwährungsfähige Kredit wird von 15 Finanzinstituten gemeinsam zur Verfügung gestellt. Commerzbank AG, die IMI Corporate & Investment Banking Division von Intesa Sanpaolo sowie die UniCredit Bank GmbH übernehmen die Funktion der Konsortialführer.

Im Windenergiesektor dient der Betrag von 2,475 Milliarden Euro nicht dem Bau von Werken oder Windparks, sondern der Ausstellung von Erfüllungs- und Vorauszahlungsbürgschaften für Kunden. Mit anderen Worten: Die Höhe dieser Kreditlinie bestimmt unmittelbar, wie viele Aufträge Nordex in den kommenden fünf Jahren übernehmen kann.

Wie groß ist dieser Betrag im Branchenvergleich?

Im Segment der Bürgschaftskredite für Windturbinenhersteller zählen 2,475 Milliarden Euro zweifellos zu den Spitzenwerten.

Siemens Gamesa erhielt im Juli 2024 eine Kreditlinie über 1,2 Milliarden Euro unter Federführung der spanischen Exportkreditagentur Cesce. Im Jahr 2023 sicherte sich Siemens Energy ein Hilfspaket in Höhe von 15 Milliarden Euro. Dabei handelte es sich um eine staatliche Stützungsmaßnahme der deutschen Bundesregierung – veranlasst durch die Sorge vor einem Einbruch der industriellen Grundlagen der Energiewende – zur Unterstützung des Konzerns inmitten einer massiven Qualitätskrise.

Der Kredit für Nordex in Höhe von 2,475 Milliarden Euro hingegen wird vollständig von 15 Geschäftsbanken zu marktüblichen Bedingungen gewährt und ist an ESG-Ziele geknüpft. Eine solche Top-Finanzierung ist nur bei stabiler Unternehmenslage erreichbar.

Bei nicht staatlich gestützten Bürgschaftskrediten für Turbinenhersteller stellt dieser Betrag eine weltweit seltene Großlinie im Windenergiesektor dar. Die Konsortialführung durch drei führende europäische Banken (Commerzbank AG, Intesa Sanpaolo und UniCredit) sowie die Beteiligung von insgesamt 15 Finanzinstituten sind bereits eine Bestätigung der guten Bonität von Nordex.

Strategische Bedeutung: Förderung des Auftragswachstums in den nächsten fünf Jahren

Eine Bürgschaftskreditlinie (Guarantee Facility) bedeutet im Kern eine Zusage des Bankenkonsortiums an Nordex: Wenn der Kunde vertraglich Erfüllungsbürgschaften, Vorauszahlungsbürgschaften oder sonstige Vertragsbürgschaften verlangt, übernehmen die Banken die Haftung.

Die strategische Tragweite dieser Finanzierung wird noch deutlicher, wenn man sie mit dem Geschäftsvolumen von Nordex abgleicht.

Bislang betreibt Nordex Produktionsstandorte in Deutschland, Spanien, Brasilien, Indien und den USA. Weltweit wurden in mehr als 40 Märkten Windturbinen mit einer Gesamtleistung von über 64 GW installiert. Allein im zweiten Quartal dieses Jahres verbuchte das Unternehmen neue Lieferaufträge für Windturbinen mit einer Leistung von 3.054 MW – ein Anstieg um 32,2 % gegenüber 2.310 MW im Vorjahresquartal.

Für die Windturbinenbranche gilt eine feste Regel: Je schneller die Aufträge wachsen, desto höher ist der Bedarf an Bürgschaftsrahmen. Jede ausgelieferte Turbine der 6-MW-Klasse erfordert Bürgschaften in Höhe von mehreren Millionen Euro.

Wie Ilya Hartmann, Finanzvorstand (CFO) von Nordex, erklärte: „Diese Kreditlinie verbessert unsere finanzielle Flexibilität. Dadurch können wir unser Vertriebsteam unterstützen, Geschäftschancen in Aufträge umwandeln und unseren Auftragsbestand diszipliniert abarbeiten.“

Ohne ausreichenden Bürgschaftsrahmen können von Vertriebsmitarbeitern abgeschlossene Aufträge nicht in Kraft treten. Die Bürgschaftskapazität von 2,475 Milliarden Euro ist also das Waffenlager von Nordex für den Kampf um neue Aufträge in den kommenden fünf Jahren.

Für Nordex handelt es sich um eine strategische Finanzierung, die direkt das Auftragswachstum ankurbeln kann.

Dem mittelgroßen deutschen Turbinenhersteller verschafft sie über fünf Jahre hinweg eine Bürgschaftskapazität auf Augenhöhe mit Top-Konkurrenten wie Siemens Gamesa. Somit ist das Unternehmen bestens gerüstet für den globalen Wettbewerb um Windenergieaufträge im Zeitraum 2026 bis 2031.
 

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