Ørsted-Chef sieht Wendepunkt für die Offshore-Windenergie in Europa
2026.09.01

Der Vorstandsvorsitzende von Ørsted, dem weltweit führenden Offshore-Windkonzern, hat auf der norwegischen ONS-Energiekonferenz eine lang erwartete Branchenbilanz gezogen: „Die Kosten haben sich stabilisiert, und der Sektor hat einen Wendepunkt erreicht.“

Für die europäische Offshore-Windbranche, die seit zwei Jahren unter einem „Kostensturm“ leidet, war diese Aussage ein eindeutiges Erholungssignal.

Vom Branchenvorreiter zur dunkelsten Stunde

Ørsted gilt als unangefochtener Weltmarktführer im Bereich Offshore-Windenergie. Ursprünglich als dänisches Öl- und Gasunternehmen gegründet, vollzog der Konzern einen strategischen Wandel: Er veräußerte sämtliche fossilen Energieanlagen und entwickelte sich zum weltweit größten reinen Erneuerbare-Energien-Konzern.

Doch selbst dieser Branchenriese wurde in den Jahren 2022 bis 2023 an den Rand der Existenz gedrängt. Ausgelöst wurde der Abschwung durch weltweit steigende Rohstoffpreise für Stahl und Kupfer, verschärft durch aggressive Zinserhöhungen der europäischen und amerikanischen Zentralbanken, die die Finanzierungskosten dieser kapitalintensiven Projekte massiv anstiegen ließen. Weitverbreitete Lieferkettenstörungen brachten die Kosten schließlich vollständig außer Kontrolle.

Der schwerste Rückschlag erfolgte, als Ørsted gezwungen war, zwei große Offshore-Windprojekte in den USA abzusagen. Milliardenbeträge an Wertberichtigungen waren die Folge, die letztlich zum Rücktritt des damaligen Vorstandsvorsitzenden führten. Kurz gesagt: Die Branche stand unter beispiellosem Druck, selbst die größten Akteure konnten sich diesem nicht entziehen.

Drastische Wende: Der Drei-Säulen-Stabilisierungsplan des neuen Chefs

Um das Unternehmen zu stabilisieren, leitete der neu ernannte Vorstandsvorsitzende Rasmus Errboe umfassende Restrukturierungsmaßnahmen zur Verlustbegrenzung ein. Auf der Konferenz stellte er die dreigliedrige Strategie zur Unternehmenswende vor:

Personalrestrukturierung: Rund 2.000 Stellen sollen gestrichen werden, um die Organisationsstruktur zu verschlanken und die Betriebskosten zu senken.

Kapitalaufstockung: Eine Kapitalerhöhung über 100 Milliarden dänische Kronen zur Sanierung der Bilanz und zur Positionierung des Unternehmens für die Erholung.

Veräußerung von Nicht-Kernbereichen: Der Verkauf des europäischen Onshore-Windgeschäfts, um sich vollständig auf das Kerngeschäft zu konzentrieren.

Die strategische Neuausrichtung ist eindeutig: Ørsted kündigte an, sich künftig ausschließlich auf die Offshore-Windenergie mit festen Fundamenten zu konzentrieren.

Ist der Wendepunkt wirklich erreicht?

Rasmus Errboes Zuversicht bei der Ausrufung eines „Wendepunkts“ stützt sich auf drei klare Signale:

1. Die Kosten haben sich endlich stabilisiert

Der Höhepunkt der Inflationswelle scheint überwunden, die Lieferketten normalisieren sich. Dadurch ist die Rendite von Windprojekten wieder planbar.

2. Eine Welle politischer Unterstützung steht bevor

Die Europäische Union hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, die installierte Offshore-Windleistung bis 2050 auf 300 GW auszubauen – gegenüber derzeit nur 38 GW. Das bedeutet, dass Europa in den kommenden Jahrzehnten eine enorme Menge an Offshore-Windturbinen errichten muss. Entscheidender noch: In Märkten wie Dänemark, Großbritannien, Deutschland, Belgien und den Niederlanden sollen innerhalb des nächsten Jahres neue Ausschreibungsrunden für Offshore-Windenergie starten, was die gesamte Projektpipeline erweitert.

3. Staatliche Unterstützung stärkt das Marktvertrauen

Als börsennotiertes Unternehmen mit mehrheitlicher staatlicher Beteiligung hält die dänische Regierung 50 % der Kontrollanteile an Ørsted. Zudem wird das Unternehmen von dem norwegischen Energiekonzern Equinor unterstützt, der nahezu 10 % der Anteile hält. Gestützt durch staatliches Kapital liegen die Finanzierungskosten von Ørsted deutlich unter denen rein privater Betreiber.

Die Erholung von Ørsted ist in vielerlei Hinsicht ein Mikrokosmos des umfassenderen europäischen Energiewandels. Von der hohen Wette auf die Offshore-Windenergie über die Bedrängnis durch Kostendruck bis hin zum nun sichtbaren Licht am Ende des Tunnels – Europa zeigt durch konkrete Investitionen und politische Verpflichtungen, dass die dunkelste Phase der Offshore-Windenergie vorbei ist und das goldene Zeitalter der Offshore-Windenergie mit festen Fundamenten zurückkehren wird.


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