Am 1. September veröffentlichte der europäische Branchenverband WindEurope seinen neuesten Branchenbericht zur Jahresmitte und prognostiziert für das Jahr 2026 einen neuen Rekord bei der neu installierten Windenergieleistung in Europa.
Den Daten zufolge kamen im ersten Halbjahr 2026 in Europa 8,8 GW neue Windenergieleistung hinzu – ein Anstieg um 30 % gegenüber 6,8 GW im Vergleichszeitraum 2025. Darunter entfielen 6,5 GW auf Onshore- und 2,3 GW auf Offshore-Windenergie.
Deutschland bleibt mit Abstand der größte europäische Onshore-Windmarkt. Im ersten Halbjahr wurden hier 3,4 GW neu installiert, was fast 40 % des gesamten europäischen Zubaus ausmacht – aufgeteilt in 2,36 GW Onshore und 1,06 GW Offshore. Großbritannien als größter europäischer Offshore-Windmarkt folgt mit 789 MW (620 MW Offshore, 169 MW Onshore), Spanien belegt mit 612 MW neu installierter Onshore-Leistung den dritten Platz. In den 27 EU-Mitgliedstaaten summierte sich der Neuzubau auf 7,1 GW, davon 5,4 GW Onshore und 1,7 GW Offshore.
Zum Zeitpunkt der Berichtserhebung überschritt die kumulierte installierte Windenergieleistung in Europa die Marke von 311 GW – 270,5 GW Onshore und 40,9 GW Offshore. Auf die 27 EU-Mitgliedstaaten entfielen davon 251 GW, aufgeteilt in 228,4 GW Onshore und 23,2 GW Offshore.
Der Auftragsmarkt präsentiert sich gemischt. Im ersten Halbjahr wurden in Europa neue Windturbinenaufträge über 10,6 GW abgeschlossen, ein Rückgang um 12 % gegenüber dem Vorjahr. Doch der Trend zu größeren Anlagen ist unübersehbar: Die durchschnittliche Leistung von bestellten Onshore-Turbinen erreichte 6,3 MW, bei Offshore-Aufträgen handelte es sich durchweg um Modelle der 15-MW-Klasse. Über einen Zehn-Jahres-Zeitraum betrachtet, hat sich die durchschnittliche Leistung europäischer Onshore-Turbinen seit 2016 von 2,9 MW mehr als verdoppelt; Offshore-Modelle stiegen von rund 7 MW auf 15 MW und haben sich danach stabilisiert.
Die Repowering älterer Windparks vergrößert die Leistungsdifferenz pro Anlage weiter: Bei deutschen Repowering-Projekten erreichen die neuen Turbinen etwa die vierfache Leistung der abgebauten Altanlagen. Auf dem italienischen Markt werden sogar Altanlagen mit unter 1 MW durch neue Modelle mit über 6 MW ersetzt.
Die 84 im ersten Halbjahr ans Netz gegangenen Offshore-Turbinen wiesen eine durchschnittliche Einzelleistung von 12,7 MW auf; beim dänischen Thor-Projekt kamen sogar 15-MW-Modelle zum Einsatz.
Für die Jahresprognose hat WindEurope die Erwartung für den europäischen Windneuzubau 2026 auf 24,1 GW gesenkt (zuvor 25,4 GW prognostiziert). Trotz der Korrektur würde dieses Volumen einen neuen Rekord bedeuten. Mittelfristig wird für den Zeitraum 2026 bis 2030 ein europäischer Zubau von 148 GW erwartet, für 2030 liegt das Ziel einer kumulierten installierten Leistung bei 436 GW. Strukturell führt Deutschland beim Onshore-Zubau mit 45 GW an; im Offshore-Bereich bilden Großbritannien mit 13,5 GW und Deutschland mit 6,9 GW die beiden stärksten Märkte.
Die regionalen Märkte entwickeln sich deutlich unterschiedlich. Der deutsche Onshore-Zubau stieg im Jahresvergleich um 7 %, in Polen erreichte der Zubau im ersten Halbjahr das 3,6-Fache des Vorjahreszeitraums, in Griechenland verdoppelte er sich. Dagegen ging der spanische Neuzubau um fast ein Drittel zurück; in Frankreich liegt die durchschnittliche Leistung neu installierter Turbinen aufgrund von Höhenbegrenzungen bei nur 3,6 GW und damit auf einem niedrigen europäischen Niveau.
Noch deutlicher fallen die Unterschiede bei den Genehmigungen aus: In Deutschland wurden im ersten Halbjahr Windenergiegenehmigungen über 9,2 GW erteilt, ein Plus von 14 % gegenüber dem Vorjahr, die durchschnittliche Genehmigungsdauer verkürzte sich von 26 auf 17 Monate. In Spanien halbierte sich das Genehmigungsvolumen im Jahresvergleich, in Großbritannien brach es um 68 % ein, in Irland um 35 %.
Insgesamt zeichnet der Bericht das Bild einer Branche mit insgesamt erholendem Zubau bei gleichzeitiger regionaler Differenzierung: Die installierte Leistung steigt weiter, der Trend zu größeren Turbinen beschleunigt sich, doch die Unterschiede zwischen den Ländern bei Projektumsetzung und Genehmigungen wachsen weiter. Für 2026 dürfte die europäische Windenergie ein Rekordjahr erleben.
