Am 16. September 2026 gab der Europäische Windenergieverband (WindEurope) bekannt, dass Rasmus Errboe, Präsident und CEO der Ørsted-Gruppe, für eine Amtszeit von 18 Monaten offiziell zum Vorsitzenden des Verbands ernannt wurde. Er löst Henrik Andersen, CEO von Vestas, ab. Dieser hatte in den vergangenen 18 Monaten den Vorsitz von WindEurope inne, während Errboe als stellvertretender Vorsitzender tätig war.
Es handelt sich nicht um einen einfachen Personalwechsel. Errboe übernimmt das Amt in einem entscheidenden Jahr, in dem die installierte Windenergieleistung in Europa voraussichtlich einen historischen Rekord von 24 GW erreichen wird. Gleichzeitig befindet sich die Branche an einem Scheideweg, an dem politische Ziele in die praktische Umsetzung überführt werden müssen.
WindEurope wurde 1982 gegründet und ist die weltweit größte und einflussreichste Organisation der Windenergiebranche. Derzeit zählt der Verband mehr als 600 Mitgliedsunternehmen mit Standorten in über 35 Ländern. Er deckt die gesamte Wertschöpfungskette der Windenergie ab – von Projektentwicklern und Turbinenherstellern über Zulieferer von Komponenten bis hin zu Logistikunternehmen, Finanzinstituten, Forschungseinrichtungen und nationalen Branchenverbänden.
Als zentrale Schnittstelle zwischen der Branche und den politischen Entscheidungsträgern der EU beeinflusst die Stimme von WindEurope direkt die politische Ausrichtung und das Investitionsklima für die Windenergie in Europa.
Bei seiner Amtsübernahme legte Errboe eine klare Aktionsliste vor, deren Schwerpunkt auf vier Punkten liegt: Erstens: Beschleunigung der Projektumsetzung. Europa mangelt es nicht an Windenergiezielen, sondern an der Geschwindigkeit, mit der diese Ziele in installierte Leistung umgewandelt werden. Errboe fordert flexiblere Genehmigungs- und Auktionsverfahren, damit mehr Projekte von der Planungsphase in die Realisierung gelangen.
Zweitens: Stärkung der Lieferketten. Die europäischen heimischen Lieferketten haben in den vergangenen Jahren unter Qualitätskrisen und Kapazitätsengpässen gelitten. Errboe betont den Aufbau widerstandsfähigerer Lieferketten, um die kontinuierliche Ausweitung der installierten Leistung zu unterstützen.
Drittens: Beschleunigung der Elektrifizierung. Der Wert der Windenergie liegt nicht nur in der Stromerzeugung, sondern auch im Elektrifizierungsprozess zur Verdrängung fossiler Energieträger. Errboe plädiert dafür, die Elektrifizierung als zentrales Instrument der europäischen Energiewende zu nutzen.
Viertens: Ausbau der Stromnetze. Dies ist einer der größten Engpässe für die europäische Windenergie: Die installierte Leistung steigt, doch die Netze können den Strom nicht aufnehmen. Errboe will den Netzausbau zu einem Schwerpunkt seiner Amtszeit machen.
Zusätzlich verpflichtete er sich, die gesamte Branche mit einer einheitlichen Stimme auftreten zu lassen, Hindernisse für die Expansion entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu beseitigen und umfangreiche langfristige Investitionen anzuregen. Errboe verweist auf Analysen von Ørsted: Ein erneuerbares Energiesystem auf Basis der Windenergie kann die Kosten des gesamten europäischen Stromsystems bis 2040 um bis zu 30 % senken.
