Siemens Gamesa warnt: Massive Produktionskürzungen und Entlassungen ab 2028 – eine Branchenkrise droht
2026.06.12

Am 11. Juni gab Vinod Philip, Vorstandsvorsitzender von Siemens Gamesa, eine deutliche Warnung aus: Aufgrund verzögerter Offshore-Windprojekte in Europa plant das Unternehmen ab frühestens 2028 Kapazitätsreduzierungen und Personalabbau. Für die gesamte Branche droht eine existenzbedrohende Krise.

Der Bau von Offshore-Windanlagen in Europa stößt derzeit auf zahlreiche Hindernisse. Die Europäische Union hat das ehrgeizige Ziel von 120 Gigawatt installierter Offshore-Windleistung bis 2030 festgelegt, dennoch besteht derzeit eine Lücke von bis zu 40 Gigawatt. Langwierige Genehmigungsverfahren, unstabile Ausschreibungsregeln und Engpässe bei der Netzintegration führen zu massiven Projektverzögerungen. Allein in Deutschland laufen Projekte mit einer Gesamtleistung von 16 Gigawatt Gefahr, auf Eis gelegt zu werden – dies stellt die Projektentwickler vor enorme finanzielle Belastungen.

Vinod Philip erklärte, dass die europäischen Turbinenwerke zwar derzeit noch voll ausgelastet sind, aber künftig ein gravierender Mangel an Neuaufträgen droht, der ab 2028 einsetzen könnte. Zwar hat das Unternehmen vorerst keine Pläne zur Schließung europäischer Produktionsstandorte, dennoch werden Produktionspersonal und zugehörige Betriebsmittel drastisch reduziert, um die Kapazitäten anzupassen.

Als weltweit größter Hersteller von Offshore-Windturbinen betreibt Siemens Gamesa sechs Werke in Europa und beschäftigt rund 20.000 Mitarbeiter; die zugehörige Industriekette hat ein großes Volumen.

Wie bekannt ist, hat die europäische Offshore-Windenergiekette bereits 14 Milliarden Euro in die Umsetzung des 2030-Ziels investiert. Aufgrund der Bauverzögerungen lässt sich der Wert dieser Investitionen nun kaum realisieren. Hinzu kommen hohe lokale Energiekosten sowie der Konkurrenzdruck durch asiatische Turbinenhersteller – die Belastungen für die europäische Windturbinenproduktion steigen dadurch drastisch an.

Zurzeit steht Siemens Gamesa im Austausch mit den Regierungen der einzelnen Länder, um gestoppte Projekte wieder in Gang zu bringen und die schwierige Lage der Branche abzumildern.
 

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