Um nicht von importierter Windenergietechnik abhängig zu sein und die Energiesicherheit fest in eigener Hand zu halten, hat das Polnische Nationale Zentrum für Energieanalyse (NCAE) ein großangelegtes Projekt gestartet: Es arbeitet mit Hochdruck an der Entwicklung einer vollständig in Polen entworfenen und gefertigten 5-MW-Windturbine.
Das Nationale Zentrum für Energieanalyse NCAE ist eine innovationsorientierte Plattform zur Verknüpfung von Wissenschaft, Forschung und Industrie, gegründet gemeinsam von drei staatlichen Schlüsselunternehmen der kritischen Infrastruktur: dem polnischen Stromnetzbetreiber PSE, dem Gastransportunternehmen Gaz-System sowie dem Ölrohrbetreiber PERN.
Mittlerweile liegen das technische Konzept und der Entwurfsrahmen für die in Polen entwickelte 5-MW-Turbine vollständig vor, derzeit werden Gespräche mit potenziellen Investoren geführt.
Das Projekt für die polnische Eigenentwicklung von Windturbinen startet nicht von Null, sondern baut auf vorhandenen ausgereiften Industrietechnologien des Landes auf. Ein Sprecher von PSE erklärte, dass bei diesem für Onshore-Windparks vorgesehenen Modell rund 75 Prozent aller Bauteile aus heimischer Zulieferung stammen können. Dadurch lassen sich Lieferunterbrechungen aus ausländischen Lieferketten wirkungsvoll vermeiden und gleichzeitig einheimische Fertigungsunternehmen stark gefördert werden.
Aufgrund der klimatischen Verhältnisse in Polen ist die Onshore-Windenergie die erneuerbare Energieform mit den niedrigsten Betriebskosten. Die eigenständige Turbinenentwicklung treibt die industrielle Weiterentwicklung und technologische Fortschritte weiter voran und schafft zahlreiche Arbeitsplätze.
Tatsächlich ist dies nicht das erste Vorhaben zur Entwicklung einer einheimischen Windturbine in Polen. Zuvor hatte bereits das polnische Unternehmen Grenevia Pläne für eine nationale Turbinenentwicklung vorgelegt. Obwohl das Unternehmen später eine Kooperation mit dem deutschen Hersteller Eno Energy einging, um die Markteinführung zu beschleunigen, blieb sein langfristiges Ziel einer maximalen heimischen Zulieferung und Wartung unverändert.
Branchenberechnungen zufolge wird der polnische Onshore-Windenergiemarkt zwischen 2026 und 2040 ein Volumen von rund 490 Milliarden Euro erreichen. Bei einem jährlichen Zuwachs von 1.500 bis 2.000 MW neu installierter Leistung belaufen sich die jährlichen Investitionen der Branche auf fast 39 Milliarden Euro. Branchenexperten fordern, dass diese großen wirtschaftlichen Vorteile im Land verbleiben und im Inland zirkulieren, um Ausgaben für den Import fossiler Brennstoffe zu ersetzen.
