GE Vernova hat ein neues Onshore-Flaggschiffmodell mit 3,8 MW Leistung und einem Rotordurchmesser von 154 Metern für den indischen Markt vorgestellt und konnte erfolgreich einen neuen Auftrag über 100 MW vom indischen Energieunternehmen Powerica gewinnen. Das Projekt wird im Windpark Botad im Bundesstaat Gujarat realisiert und umfasst insgesamt 28 Einheiten des neuen Modells. Die Auslieferung ist sukzessive ab dem vierten Quartal 2026 geplant.
Das neue 3,8-MW-154m-Modell basiert auf dem bewährten Standardturbinenmodell von GE Vernova mit 3,6 MW und wurde speziell an die lokalen Windverhältnisse Indiens angepasst. Es verfügt nicht nur über eine lange Auslegungslebensdauer von 30 Jahren, sondern ist zudem mit einer KI-gestützten Rotorblattprüfung und einem umfassenden Blitzschutzsystem ausgestattet. Die Fertigung erfolgt in indischen Werken des Konzerns, wodurch das Gerät eine hervorragende Eignung und ein starkes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet.

Im krassen Gegensatz zur erfolgreichen Expansion von GE Vernova ziehen sich die beiden alteingesessenen europäischen Branchengrößen Vestas und Siemens Gamesa seit Jahren aus dem indischen Windenergiemarkt zurück. Beide Unternehmen konzentrieren ihre Ressourcen nahezu vollständig auf das europäische Offshore-Windgeschäft, um sich um Großprojekte in Europa und Nordamerika zu bewerben. Der indische Markt wird praktisch aufgegeben: Sie kürzen Forschungs- und Produktionskapazitäten und bauen zudem schrittweise ihre lokalen Wartungsteams ab.
Trotz des enormen Potenzials des indischen Windmarktes hat die Regierung das ehrgeizige Ziel von 100 GW installierter Windleistung bis 2030 festgelegt. Der indische Markt unterliegt jedoch besonderen Rahmenbedingungen: Er hängt stark von lokaler Fertigung und Niedrigpreis-Ausschreibungen ab. Die herkömmlichen Turbinenmodelle europäischer Hersteller sind zu kostenintensiv und nur bedingt an die lokalen Gegebenheiten angepasst, um mit einheimischen Marken konkurrieren zu können – daher der strategische Rückzug aus dem Land.
Der sukzessive Abzug von Vestas und Siemens Gamesa eröffnet GE Vernova hervorragende Marktchancen. GE Vernova ist seit vielen Jahren in Indien aktiv und hat bereits eine kumulierte installierte Leistung von über 5 GW erreicht. Vor Ort hat der Konzern eine vollständige integrierte Industriekette für Turbinenfertigung, Rotorblattproduktion und Forschung & Entwicklung aufgebaut und verfügt damit über ausgeprägte Vorteile bei der Lokalisierung. Durch die Serienfertigung des neu weiterentwickelten Modells kann GE Vernova seine Kosten weiter senken und den Anforderungen des indischen Billigwindmarktes optimal gerecht werden.
Die Struktur des indischen Windenergiemarktes hat sich grundlegend verändert: Vestas und Siemens Gamesa haben den Wettbewerb in Indien weitgehend verlassen. Dank des neuen Modells und ausreichender lokaler Produktionskapazitäten konnte sich GE Vernova fest etablieren und ist damit der zentrale ausländische Akteur auf dem indischen Windmarkt. Künftig wird das Unternehmen voraussichtlich weiterhin um neue Projektaufträge mit einheimischen Herstellern wie Suzlon konkurrieren.
