CIP setzt für Onshore-Windprojekt in Australien auf chinesische Turbinen
2026.09.08

Kürzlich gab der dänische Infrastrukturinvestor Copenhagen Infrastructure Partners (CIP) bekannt, über seinen fünften Flaggschiff-Fonds das Wind- und Speicherprojekt Gawara Baya im Norden von Queensland vom australischen Erneuerbare-Energien-Entwickler Windlab übernommen zu haben. Zugleich wurde die endgültige Investitionsentscheidung getroffen und der Finanzierungsabschluss vollzogen.

Das Projekt umfasst 408 MW Onshore-Windenergie kombiniert mit 104 MW Batteriespeicher, 68 Windturbinen sollen installiert werden. Zehn Banken gewähren einen Kredit in Höhe von 1,7 Milliarden australischen Dollar. Langfristige Stromabnahmeverträge sind abgeschlossen, das Projekt ist in das australische Capacity Investment Scheme eingebunden und soll bis 2030 vollständig in Betrieb gehen.

Was die Branche wirklich aufhorchen lässt, ist der anschließende Bericht des dänischen Wirtschaftsmediums Finans: CIP hat schriftlich bestätigt, dass für das Projekt Windturbinen des chinesischen Herstellers Goldwind zum Einsatz kommen.

Warum ist dies bemerkenswert?

Betrachtet man die Schlüsselbegriffe getrennt: Der Käufer ist ein europäischer Top-Energiefonds mit verwalteten Geldern von rund 43 Milliarden Euro, das Projekt liegt in Australien, der Turbinenlieferant ist Goldwind – der größte chinesische Hersteller von Windenergieanlagen.

Ein europäischer Spitzenfonds, der in Australien chinesische Turbinen einsetzt, ist an sich schon ein bemerkenswertes Marktsignal. Auf Drittmärkten außerhalb Europas ist die Wahl chinesischer Anlagen durch europäische Entwickler längst kein Einzelfall mehr, sondern entwickelt sich zu einem festen Trend.

Kein Einzelfall: 4,4 GW als Entscheidung

Gawara Baya ist nicht das erste Projekt dieser Art. Nach Statistiken von BloombergNEF haben europäische Windenergieentwickler seit 2020 in 23 Ländern und Regionen außerhalb Europas chinesische Turbinen in Projekten mit einer Gesamtleistung von 4,4 GW eingesetzt. Die französischen Energiekonzerne Engie, EDF und TotalEnergies zählen zu den wichtigsten Abnehmern, Chile, Kasachstan und die Türkei zu den Hauptmärkten.

Es gibt bereits zahlreiche Beispiele: ENGIE setzte in den chilenischen Windparks Pemuco und Chequenes auf Goldwind-Turbinen, EDF wählte für den südafrikanischen Windparkverbund Koruson 1 (420 MW) ebenfalls Goldwind. Mit Gawara Baya erreicht dieser Trend nun den australischen Markt – ein neues Leuchtturmprojekt.

Geschäftslogik: Der Preisunterschied entscheidet

Aus Sicht der Projektrendite ist die Entscheidung europäischer Entwickler nicht schwer nachzuvollziehen.

Daten von Wood Mackenzie zufolge liegen die Preise chinesischer Turbinen auf Auslandsmärkten um 19 bis 24 % unter denen westlicher Hersteller, in Europa um etwa 20 %, im asiatisch-pazifischen Raum um etwa 22 %. Ein noch anschaulicherer Vergleich stammt von Vestas: Der Durchschnittspreis im Auftragsbestand Ende 2025 lag bei etwa 8.790 Yuan/kW, während der durchschnittliche Zuschlagspreis für chinesische Offshore-Turbinen im selben Zeitraum nur 3.200 bis 3.600 Yuan/kW betrug. Selbst unter Berücksichtigung eines Exportaufschlags bleiben chinesische Turbinen mehr als 20 % günstiger als Angebote europäischer Hersteller.

Das Budget für eine europäische Turbine reicht ungefähr für zwei chinesische Modelle. Ein Preisunterschied dieser Größenordnung ist für jeden Infrastrukturfonds, der auf stabile Renditen abzielt, ein nicht zu ignorierender Kostenvorteil.

Lieferfähigkeit: Der Flaschenhals der europäischen Lieferkette

Neben dem Preis ist die Lieferfähigkeit eine weitere entscheidende Variable.

Im Jahr 2026 wird das in Europa zur Versteigerung vorgesehene Offshore-Windvolumen die Marke von 20 GW durchbrechen und einen neuen Rekord erreichen. Doch die heimische Turbinenversorgung ist extrem angespannt. Die Kapazitäten von Herstellern wie Vestas und Siemens Gamesa reichen bei weitem nicht aus, um die Nachfrage zu decken; einige Anbieter haben ihre Produktionsplanung bereits bis 2030 ausgebucht.

In den vergangenen Jahren haben europäische Turbinenhersteller immer wieder unter Lieferkettenbrüchen und Qualitätsproblemen gelitten, Lieferzeiten verlängerten sich, die Preise stiegen kontinuierlich. Chinesische Windenergieunternehmen hingegen verfügen über mehr als zwei Drittel der weltweiten Turbinenproduktion und über 70 % der Produktion wichtiger Komponenten – sie sind der einzige Anbieter, der gleichzeitig Größe, Kosten und termingerechte Lieferung erfüllen kann.

CIPs Kalkül: Europäisches Geld, chinesische Turbinen, australischer Markt

Zurück zu Gawara Baya. Die Wahl von Goldwind ist im Kern eine typische Kombination aus „europäischem Kapital + chinesischen Turbinen + australischem Markt“: Die europäischen Institutionalgelder von CIP streben stabile Renditen an, Goldwind-Turbinen sind über 20 % günstiger als europäische Marken, und Australien verfügt über einen ausgereiften Strompreismechanismus mit langfristigen Einkommensgarantien durch das staatliche Capacity Investment Scheme.

Langsfristige Stromabnahmeverträge sind abgeschlossen, staatliche Förderungen sind eingebunden, die Finanzierung von 1,7 Milliarden australischen Dollar durch zehn Banken ist gesichert – die Cashflows sind hochgradig determiniert. Unter diesen Rahmenbedingungen ist die Wahl der Turbinen mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis eine rationale Entscheidung im Sinne der Treuepflicht des Fonds.

Gawara Baya wirft wie ein Spiegel Licht auf die tatsächliche Struktur der globalen Windenergiebranche: Europäische Entwickler stimmen in Chile, Kasachstan, der Türkei und Australien mit echtem Kapital für chinesische Turbinen. Chinesische Hersteller erweitern ihre Präsenz auf Drittmärkten kontinuierlich dank ihrer dreifachen Vorteile bei Kosten, Kapazität und Lieferung.

Solange chinesische Turbinen einen deutlichen Preisvorteil, einen weltweit führenden Fertigungsanteil und kürzere Lieferzeiten als europäische Konkurrenten bieten, werden europäische Entwickler chinesische Anlagen auch künftig bei Projekten außerhalb Europas als wichtige Option in Betracht ziehen.


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